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Die Barbaren

die Barbaren

Auch wenn die Barbaren von fortschrittlichen Kulturen als unzivilisierte Menschen bezeichnet werden mögen, so kann man ihnen dennoch eine außerordentliche Vielseitigkeit nicht absprechen. Während die Stämme des Nordens in der Prärie Mammuts jagen, um daraus Nahrungsmittel, Kriegsmaterial und Kleidung herzustellen, richten die Stämme des Südens todbringende Carnosaurus aus den Ferox-Sümpfen zu wahren Kampfbestien ab. Die Stammesclans aus dem Westen treiben mit verschiedensten Städten der Menschen, Elfen und Zwerge Handel, während die östlich gelegenen Stämme im Gezeichneten Land das Territorium der Barbaren vor Angriffen der Orks und Goblins schützen. Diese Vielseitigkeit verhilft den Barbaren zu großer Stärke.

Die Tausend Stämme

Die einzelnen Stämme der Barbaren leben in einer Art von nomadischer Anarchie, sind jedoch alle in einem politischen Verbund namens „Tausend Stämme“ organisiert. Einmal im Jahr kommen die Stammesältesten mitsamt Gefolge auf den Grabhügeln zusammen, um ihren Ahnen zu huldigen, mit Speis und Trank zu feiern und sich über die Dinge auszutauschen, die sie auf ihren Reisen in Erfahrung bringen konnten. Dieses Ereignis gleicht einem ausgelassenen Gelage, was jeder bestätigen kann, der dort zugegen war.

Das Wander- und Siedlungsverhalten der unterschiedlichen Stämme führte zu ihrer Spezialisierung auf verschiedenste Bereiche, wobei die Stammesclans im Westen als „zivilisierteste Gesellschaft“ angesehen werden, während die Wolfsbär-Berserker im Gezeichneten Land als besonders primitiv gelten. Allen Stämmen ist jedoch die Befolgung der Gesetze der Ahnen gemein.

Im Wesentlichen sehen die Gesetze der Ahnen vor, dass die Stämme weder gegeneinander kämpfen noch unlauteren Handel miteinander treiben sollen. Größtenteils halten sich die Stämme an diese Gesetze, da sie in einer Welt alltäglicher Kämpfe überlebenswichtig sind. Natürlich gibt es Ausnahmen und Meinungsverschiedenheiten können durchaus in einem Blutbad enden, jedoch handelt es sich hierbei um Vorkommnisse, die in der Gesellschaft der Barbaren toleriert werden.

Jeder Stamm folgt seiner eigenen Religion, für gewöhnlich einer Form von Ahnen- oder Totemkult. Auch hierbei spielt die geographische Lage und die Spezialisierung des Stammes eine übergeordnete Rolle.

Das Gezeichnete Land und die Stadt der Schatten

Unter den Gelehrten der Menschen und Elfen wird gemunkelt, die Barbaren seien die Nachfahren einer alten und viel bedeutenderen Zivilisation, deren Siedlungsgebiet sich fast über den halben Kontinent erstreckt haben könnte. Die wenigen Entdecker und Archäologen, denen Zutritt in das Gezeichnete Land gewährt worden war, äußerten die Vermutung, dass das Gebiet vor vielen Tausenden von Jahren Schauplatz einer gigantischen Schlacht gewesen sein könnte. In der heutigen Zeit findet man dort jedoch nichts außer unwirtlichen, zerklüfteten Landstrichen mit steinigen Hügeln und unfruchtbaren Präriegebieten vor.

In der Stadt der Schatten bieten sich dem aufmerksamen Beobachter einige Hinweise. Allerdings lauern dort unzählige Gefahren und furchterregende Monster streifen umher, so dass selbst die Barbaren diese Stadt meiden. Bislang ist nur eine Handvoll Forscher aus der Stadt der Schatten zurückgekehrt, ohne dort den Verstand verloren zu haben. Sie geben verrückte Geschichten zum Besten und erzählen von einer Stadt, wie sie sie in ihrem ganzen Leben noch nicht gesehen hätten. Angeblich würde sie von Schattenkreaturen heimgesucht, die der barbarischen Sprache mächtig seien, wenngleich ihr Dialekt äußerst merkwürdig sein soll.

Wenn die Stammesältesten von Fremden auf die Stadt angesprochen werden, zucken sie üblicherweise mit den Schultern oder antworten kurz und knapp: „Ja, da würde ich nicht hingehen.“ Falls sie wirklich etwas über den Ursprung der Stadt wissen, behalten sie es für sich.

 

Der Händler Dardorf schwang die Peitsche und trieb seinen trägen Esel an, den Karren schneller zu ziehen. Die alte Handelsroute galt als gefährlich, schließlich grenzte sie auf beiden Seiten an dunkle Wälder, war mit tiefen Furchen und Schlaglöchern übersät und wurde angeblich immer wieder von räuberischen Banden heimtückischer Barbaren und Orks heimgesucht.

Misstrauisch warf Dardorf immer wieder einen Blick in die Wälder entlang des Weges. Schwache Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg durch das dicht bewachsene Geäst. „Vielleicht hätte ich lieber die Imperiale Fernstraße nehmen sollen“, dachte er sich. „Andererseits führt diese Route schneller zum Markt.“

Als sein Karren um eine Kurve bog, stockte Dardorf der Atem und er umgriff seine Peitsche noch fester: Zwei in Felle gehüllte und mit Bärenhaut bedeckte Barbaren standen am Wegesrand. Sie stützten sich lässig auf ihren Zweihandäxten ab und unterhielten sich murmelnd.

Als der Karren an ihnen vorbeifuhr, tat Dardorf so, als würde er sie nicht sehen. Die zwei Wilden erweckten ebenso wenig den Eindruck, vom Händler Notiz genommen zu haben.

Plötzlich blieb der Karren stehen. Der Esel schrie auf und riss vergeblich die Zügel nach vorne.

„Was nun?“ Dardorf blickte seitlich nach unten und sah, dass eines der Räder in einer tiefen Furche steckengeblieben war. Die Barbaren setzten ihre Unterhaltung fort.

„Hüah!“ Dardorf schwang erneut die Peitsche, jedoch vergebens. Vorsichtig stieg er vom Karren, ohne die Barbaren aus den Augen zu lassen. Er versuchte, den Karren anzuschieben. Er schrie, benutzte die Peitsche, schob weiter an und fluchte, aber der Karren bewegte sich nicht vom Fleck.

Dardorf wandte sich schnaufend den Barbaren zu.

„Ihr habt gegen einen alten, wehrlosen Händler nicht eure Waffen erhoben. Würdet ihr ihm vielleicht sogar helfen?“

Die zwei Barbaren unterbrachen ihre Unterhaltung, nachdem sie noch einige Worte gewechselt hatten. Einer von ihnen, mit blauer Kriegsbemalung im Gesicht, erwiderte:

„Nein.“

„‚Nein'? Und das war’s? Einfach nur ‚Nein’?“, fragte Dardorf erzürnt.

„Ich heiße Lothar“, sagte der Barbar mit der blauen Kriegsbemalung. Dann zeigte er auf seinen Begleiter und fuhr fort: „Und das ist Stiller Bär. Wir werden dir nicht helfen.“

„Bei den Dunklen Göttern, warum denn nicht?“

„Wir müssen hier warten.“

„Warum?“

Ein Kriegshorn erklang nicht weit entfernt und hallte Unheil verkündend durch den Wald.

„Darum.“ Die Barbaren nahmen ihre Waffen und gingen auf Dardorf zu. Der Händler zuckte zusammen und kauerte sich an eine Seite des Karrens. Erst als sie vor ihm standen, wurde ihm klar, wie mickrig er doch im Vergleich zu diesen zwei riesigen Kriegern war.

„Was war das?“, stammelte er.

„Ein Angriff der Orks steht unmittelbar bevor“, erwiderte Lothar mit besorgter Mine. „Sie kommen von dort.“ Er kniete sich hin und stützte sich mit seinen Händen auf dem Boden ab. Dann legte er seinen Kopf auf den Boden. „Vierzig oder fünfzig Mann.“

„Seid ihr etwa so eng mit der Natur verbunden, dass ihr die Orks über den Boden hören könnt?“

„Nein, von dort unten kann ich ihre Füße sehen.“

Dardorf kletterte auf ein Wagenrad und lukte über den oberen Rand des Karrens hervor, während ihm Schweißperlen über die Stirn liefen. Im Wald wimmelte es nur so vor Grünhäuten.

„Wir werden sterben!“, rief er und zog seinen Kopf wieder ein.

„Ja“, antwortete Lothar mit einem Grinsen im Gesicht. „Aber nicht heute! Stiller Bär, jetzt!“

Stiller Bär wandte sich ihrer Seite des Waldes zu und gab einen schrillen Pfeifton von sich. Erstaunt wurde Dardorf Zeuge davon, wie unzählige Barbarenkrieger aus ihren Verstecken hervorkamen und in Richtung Weg stürmten.

Die Orks standen jedoch bereits auf dem Karren. „VERRECKEN SOLLT IHR, STINKENDE MENSCHEN! OH, WAS ZUM...“ Der Anführer der Orks wurde von einem Pfeilregen zum Schweigen gebracht, der auch die erste Reihe seiner Angriffsspitze komplett ausschaltete.

Die beiden Armeen trafen aufeinander. Dardorf hielt sich unter seinem Karren versteckt, während überall um ihn herum Körperteile auf den Boden fielen und Blut die Erde tränkte. Tosender Kriegslärm durchdrang die Luft.

Das nächste Mal würde er die Imperiale Fernstraße nehmen.

Die Rassen in World Of Battle