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Die Dunkelelfen

Dunkelelfen

„Traue niemals einem Dunkelelfen über den Weg“ ist unter den meisten Rassen des Kontinents ein weit verbreitetes Motto – aus gutem Grund. Der Fortbestand einer Gesellschaft hängt vom konstruktiven Zusammenwirken der Individuen innerhalb der Gesellschaft ab. Dies gilt für die meisten Rassen, vielleicht mit Ausnahme der Orks, die immer noch einfach aufgrund ihrer brutalen Hartnäckigkeit existieren.

Die Dunkelelfen hingegen konnten in einer Zivilisation erstarken, die auf Täuschung, Verrat und Meuchelmorden beruht.

Die Dunkelelfen

Ob es sich hierbei um einen bizarren Aspekt der Evolution handelt, schwächere Elemente einer Gesellschaft zu beseitigen, oder um ein Zeichen der Gunst ihrer dunklen Gottheit, wird unter Theologen, Soziologen und anderen Gelehrten seit Jahrhunderten heiß diskutiert. Die Deus-Priester im angrenzenden Imperium der Stählernen Rose haben ihre eigene Theorie, wonach die Dunkelelfen nichts weiter als degenerierte Elfen seien, „dämonische Mischlinge, im Bund mit ihrer dunklen, teuflischen Göttin und im Allgemeinen äußerst boshafte Zeitgenossen.“

Die meisten Rassen, die bei Verstand sind, fürchten ein Bündnis mit den Dunkelelfen, wenn es über einen Feldzug hinaus Bestand haben soll. Die Dunkelelfen neigen gerne dazu, ihre Bündnispartner in ihr komplexes Netz aus Täuschung und Intrigen zu verstricken, was auf dem Weg zur Weltherrschaft äußerst hinderlich sein kann. Diese Vorgehensweise heizte einige Spekulationen an, wonach die Feinde der Dunkelelfen möglicherweise nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch am Hofe ihrer eigenen Königreiche vor den dunklen Machenschaften der Dunkelelfen auf der Hut sein müssen.

Das Ödland Mal-Shadun

Jenseits der Dämonensäulenberge und westlich des Imperiums der Stählernen Rose befindet sich das Ödland Mal-Shadun, eine triste Gegend aus Buschland und Sumpfgebieten, so verdorrt und ausgetrocknet wie die Herzen der dort beheimateten Dunkelelfen. Viele grausame Kreaturen bevölkern dieses Gebiet und schrecken nicht davor zurück, jedes ahnungslose Wesen anzugreifen und auszuplündern, das ihnen über den Weg läuft. Möglicherweise hatte die Beschaffenheit des Ödlands einen prägenden Einfluss auf die Dunkelelfen und machte ihre Gesellschaft zu dem, was sie heute ist.

Shad-Ezzrait ist die Hauptstadt des Dunkelelfenreiches. Von dieser befestigten Stadt aus regiert die hinterlistige Dunkle Königin Alzerathea mit eiserner Hand und der Geduld einer auf Beute lauernden Spinne. Sie kann auf eine lange Liste von adligen Vorfahren mit fragwürdigem Geisteszustand zurückblicken und zettelt von ihrem Thron aus Verschwörungen gegen Feinde innerhalb oder außerhalb des Königreiches an – egal ob reale Bedrohungen oder nur Hirngespinste ihrer lebhaften, kranken Fantasie. Der Alltag am Hofe der Königin ist so stark von Doppelzüngigkeit und intriganten Machenschaften geprägt, dass sogar eine Art betrügerischer Geheimsprache entstanden ist. Neuankömmlinge übernehmen entweder schnell dieses Verhalten, oder enden als Spielball des Adels, was sie nicht selten mit dem Leben bezahlen müssen.

Die Dunkelelfen

Shadis, die Göttin nicht endender Pein und Qual, soll den Dunkelelfen angeblich wohl gesonnen sein. Gut möglich, da Shad-Ezzerait nicht nur eine Stadt ist, sondern auch als Tempel dient, in dem der Dunklen Göttin gehuldigt wird. In finsteren Gassen und auf zwielichtigen geheimen Versammlungen wird über Schicksale entschieden und Dunkelelfen verschwinden spurlos, um die perverse Gier anderer zu stillen.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Ritter die Pässe der Dämonensäulenberge so stark bewachen. Es gibt keinen Grund, sich etwas vorzumachen: Schlimm genug, dass das Territorium der Dunkelelfen an das Imperium der Ritter angrenzt, aber niemand würde sie auch noch freiwillig durch die Hintertür lassen.

 


Unter dem Applaus der versammelten Menge und dem Gekreische aus dem Haus der Schreie schritt Inquisitor Kraelear durch die Palasthalle von Shad-Ezzrait. Stolz zog er an den Reihen der mitternächtlich gewandeten Edelmänner- und Frauen des Hofstaates der Dunklen Königin vorbei, gemustert von ihren blutrünstigen Augen und mit einem Lächeln auf ihren verlogenen Lippen.

Die Schmerzmeister des Hauses der Schreie erhoben Anklage, betätigten Kurbeln, durchbohrten Fleisch und entlockten damit Schreie der Pein aus hunderten gefesselten Gefangenen aller Rassen. Irgendwann waren die bemitleidenswerten Kreaturen endlich von ihren Qualen erlöst und fielen leblos auf den Boden der galgenähnlichen Vorrichtung im Haus der Schreie.

Kraelear, der vor die Königin trat, bot einen erhabenen Anblick. Sein aus Flüsterseide gewobenes Gewand fiel elegant über seine Dunkelmetallrüstung. Die zwei auf seinem Rücken überkreuzten Krummschwerter verliehen ihm das Aussehen einer furchterregenden Riesenspinne und der spitze Helm, den er im Arm hielt, ähnelte dem Stachel eines gigantischen Skorpions. Seine kalten Augen begegneten den Blicken der Königin.

Alzerathea erhob sich von ihrem vergoldeten Onyx-Thron. Ihre Haut – weiß wie Schnee und dezent purpurfarben geschminkt – bildete einen starken Kontrast zu ihren schwarzen Lippen und Augen. Ihr weißes Haar war unter einem Diadem zurückgesteckt, das in der spinnenartigen Form des Symbols von Shadis, Göttin nicht endender Pein und Qual, gefertigt war.

Kraelear hielt sie für hübsch, wusste jedoch, wie gefährlich sie wegen ihrer Hinterlistigkeit war. Der Grund seines Kommens musste einen Haken haben. Er wurde von vorderster Front abberufen, als er gerade seine Truppen nach über einhundert Siegen auf dem Schlachtfeld erneut zu Ruhm und Ehre führen wollte. Eigentlich konnte der Grund seiner Abkommandierung nur eine zeremonielle Würdigung seiner Dienste sein. Allerdings hatte er noch nie gehört, dass derartige Zeremonien mitten während eines Feldzugs abgehalten wurden.

„Heißen wir unseren geschätzten Inquisitor Kraelear willkommen“, verkündete Königin Alzerathea feierlich und streckte ihre Arme empor. Erneut war der Saal von trügerischem Applaus erfüllt. Kraelear biss die Zähne zusammen.

„Kraelear“, fuhr die Königin fort. „Ihr habt für das Reich der Dunkelelfen gekämpft, dabei Euer Leben aufs Spiel gesetzt und seid immer wieder siegreich vom Schlachtfeld zurückgekehrt. Manch einer meint sogar, Ihr seid unbesiegbar.“

„Ich danke Euch, meine Königin“, erwiderte er mit rauer Stimme.

„Wisst Ihr, warum ich Euch hierher beordert habe?“

„Man sagte mir, es handle sich um eine Zeremonie.“

„Ja, ich glaube das war es, was ich sagte.“ Alzerathea lehnte sich auf ihrem Thron zurück und presste die Lippen zusammen. Sie wollte sich ihr Grinsen nicht anmerken lassen. „Werter Kraelear, bedauerlicherweise muss ich Euch gestehen, dass ich nach Strich und Faden gelogen habe.“

Sie begann zu kichern und Kraelear dachte, dass die Königin bei all den Folterungen und Schwelgereien, die sie so ausgiebig zelebrierte, ihren Verstand verloren haben musste.

„Das einzige, was noch gefährlicher ist als ein unbesiegbarer Gegner, ist ein unbesiegbarer Gegner in den eigenen Reihen. Man weiß nie, wann eine Person wie diese anfängt, an Rebellion zu denken, versteht Ihr?“

Sie war dem Wahnsinn verfallen. Kraelear setzte seinen Helm auf und zog seine Krummschwerter, als die Edelleute im Saal ihre majestätischen Gewänder ablegten und ihre eigenen Waffen und Rüstungen zum Vorschein kamen.

„Tötet ihn“, flüsterte Alzerathea schadenfroh. Sie erhoben sich von ihren Sitzen, um ihn zu umzingeln.

Kraelear seufzte. Das dürfte eine lange Nacht werden.

 

Die Rassen in World Of Battle