Die Zwerge

Neben den Elfen sind die Zwerge die älteste der bis dato bekannten Rassen. Ihre Wissensbewahrer und Wissenswächter können die Ursprünge der Großen Zwergenhäuser bis zu den Tagen des Götterkrieges zurückverfolgen – als sie Seite an Seite mit den Gottheiten des Guten die Mächte des Bösen in ihre Territorien zurückdrängten.
Zudem gelten die Zwerge als die wissenschaftlich fortschrittlichste Zivilisation. Mit ihrer außergewöhnlichen Kombination aus Runenmagie und Alchemie produzieren sie immer wieder Kriegsgerät von unerreichter Qualität. Die Großen Zwergenhäuser werden fortwährend von verbündeten Rassen mit Anfragen bezüglich handgefertigter Waffen und Rüstungen überhäuft. Mit einem Grummeln kommen die Zwerge derartigen Gesuchen in der Regel nach, wenngleich der Kunde hohe Kosten und lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss.

Wenn es nach ihnen ginge, würden sie lieber tagelang zurückgezogen in ihren Werkstätten tief in den Bergen an ihren unterschiedlichsten Erfindungen herumbasteln. Allerdings sehen sie es auch als ihre Pflicht an, die jüngeren Rassen des Guten zu beschützen und mit ihnen ihr Wissen zu teilen – nicht, weil die Zwerge es so wollen, sondern weil anderenfalls die Welt schlicht und einfach zugrunde gehen würde.
Die Hulestiathah-Berge
Die Hulestiathah-Berge bilden einen natürlichen Verteidigungswall gegen die Goblins und Orks im Osten sowie gegen die Untoten im Süden. Zahlreiche Außenposten wurden über die Berge verstreut errichtet, um die Zwerge vor Eindringlingen in verbündetes Territorium zu warnen. Unter den Hulestiathah-Bergen führt ein flächendeckendes Netzwerk unterirdischer Straßen nach Draktal Kar, dem Machtzentrum der Zwerge.
Draktal Kar ist zudem ein wichtiger Knotenpunkt für den Handel mit den Menschen des nördlich gelegenen Imperiums der Stählernen Rose. Im Grunde genommen betrachten die Zwerge die Menschen als neureiches Pack „mit einem Zepter im Allerwertesten“, deren Rohstoffe jedoch durchaus zu gebrauchen sind.

Bei Morta Kar handelt es sich um eine umkämpfte befestigte Zwergenstadt im Süden. Seit Jahrhunderten herrscht ein erbitterter Krieg zwischen den Dunkelelfen aus dem Ödland Mal-Shadun und den Zwergen. Morta Kar wird immer wieder von den Dunkelelfen belagert, um die Zwerge für ihr Bündnis mit dem Imperium der Stählernen Rose zu bestrafen. Aus diesem Grund kommt die neue experimentelle Kriegstechnologie immer in Morta Kar als Erstes zum Einsatz – zum Leidwesen der Dunkelelfen.
Die permanenten erfolglosen Belästigungen der Dunkelelfen führten dazu, dass die Zwerge ihnen den Beinamen „Wald- und Wiesenweicheier“ gaben, der sie nur noch wütender machte. Aber wenn man die Zwerge schon nicht in Ruhe lassen kann, so sind sie wenigstens froh, dass sie ihren neuen Dampfhammer am Schädel eines Gegners testen können.
„Macht euch bereit, Jungs! Sie kommen wieder!“ Godrimir hob Hammer und Schild, nahm eine Verteidigungshaltung ein und... wurde zu Stein. Hinter ihm führten auch die übrigen Felsenlords diese bizarre Verwandlung durch und wurden zu robusten Statuen, die sich dem Angriff der Dunkelelfen entgegenstellten. Unten am Hang bei Morta Kar an den südlichen Ausläufern der Hulestiathah-Berge trafen die von den Kämpfen erschöpften Streitkräfte der Zwerge direkt auf die Kavallerie der Dunkelelfen. Die Kalten und ihre Reiter preschten gegen die versteinerten Krieger der Zwerge. Die Angreifer gingen zu Boden und konnten sich nur mit Mühe wieder aufrichten. Die Felsenlords verwandelten sich wieder in ihre normale Gestalt zurück und konnten die niedergegangene Kavallerie schnell außer Gefecht setzen, wenngleich einige wenige Einheiten entkommen und sich neu formieren konnten. Godrimir, sichtlich gezeichnet von der dreitägigen Belagerung der Bergstadt Morta Kar durch die Dunkelelfen, drehte sich um. Einige Infanterieeinheiten der Zwerge standen bereit, um jeglichen Vorstoßversuch durchgebrochener gegnerischer Truppen zu vereiteln. Abgesehen von den Felsenlords und der Infanterie war Morta Kar seinen Feinden schutzlos ausgeliefert, solange nicht die Verstärkung aus Draktal Kar eingetroffen war. Es sah nicht gut aus. „Godrimir! Es funktioniert! Es funktioniert!“ Der Zwergenveteran drehte sich in die Richtung, aus der er den Lärm einer puffenden Dampfmaschine vernahm. „Grundgütiger!“, krächzte er. Aus einer der riesigen Steinhallen der Stadt tauchte ein regelrechtes Monster aus Stahl, Dampf und Runenmagie auf – eine überdimensionale Kanone auf starken Beinen aus alchemistisch behandeltem Stahl. Ganz oben auf dem Ungetüm thronte in einer primitiven Steuerkabine aus Hebeln und Pedalen der Kriegstechniker Gurney. „Ich hoffe, mit euch ist alles in Ordnung, Jungs.“ Godrimir wandte seinen Blick zu der riesigen Armee der Dunkelelfen. Die Kalten sammelten sich für einen weiteren Kavallerieangriff. Gurney brachte seine tosende Vorrichtung neben den Felsenlords zum Stehen. „Wenn ich jetzt einfach nur den Druck im Aegis-Reaktor erhöhe...“ „Du weißt hoffentlich, wie man dieses Ding benutzt?“, fragte Godrimir mit besorgter Miene. „Natürlich! Schließlich habe ich es gebaut.“ „Gut, dann mach es startklar. Sie wagen einen erneuten Vorstoß“, sagte Godrimir und deutete zur gegenüberliegenden Seite des Feldes. Die mobile Kanone begann zu wackeln und stieß schwarzen Rauch aus. Godrimir hörte im Inneren der Höllenmaschine einen ohrenbetäubenden Lärm, der einer sich aufschaukelnden, tosenden Ozeanwelle ähnelte. Die Dunkelelfen kamen immer näher. „Ist das normal?“, fragte Godrimir, als die Kanone anfing zu quietschen und sich die runenverzierte Ummantelung langsam ausbeulte. Aus schmalen Rissen trat Dampf aus. „Oh... vielleicht habe ich den Reaktor etwas überbeansprucht...“ Die Dunkelelfen stießen ihre ohrenbetäubenden Schlachtrufe aus, als sie auf die Zwerge zuritten. „Auf ein Neues, Jungs!“ Erneut verwandelten sich die Felsenlords und Godrimir spürte in seiner versteinerten Gestalt, wie die Kalten einfach wie Fliegen von ihm abprallten. Plötzlich gab es einen lauten Knall – und danach herrschte Stille. Er verwandelte sich zurück in seine normale Gestalt und sah überall verstreut die qualmenden, verstümmelten Leichen der Dunkelelfen sowie ihre Reittiere daneben. Die gegnerische Kavallerie war völlig vernichtet worden. Von der Kanone war jedoch außer einem versengten Krater nichts übrig und von Gurney selbst fehlte jede Spur. „Der arme Kerl“, seufzte Godrimir traurig. Einer seiner Männer tippte ihm auf die Schulter und deutete in den Himmel. Godrimir sah nach oben. Ein rauchender, dunkler Fleck raste mit hoher Geschwindigkeit nach unten... und schrie. Es war Gurney! „Wir sollten besser einen Heiltrank bereithalten“, sagte Godrimir. „Das wird vermutlich keine sanfte Landung.“