Die Untoten

Die Veteranen der Untoten haben ihre Niederlage gegen die Mächte des Guten in der großen Schlacht, die den Tod von Malakoth zur Folge hatte, nie verkraftet. Tagtäglich wettert Lady Apokalypse gegen die sterblichen Geschöpfe der Alten Götter und beschwört ihren bevorstehenden Untergang herauf. Scheinbar glaubt sie, dass sie durch die Vernichtung aller Anhänger jener, die ihren Geliebten getötet hatten, diesen auf irgendeine Art und Weise wieder zum Leben erwecken könne, um mit ihm über das Totenreich zu herrschen.
Offen gesagt können einige Untote dieses Gebrabbel nicht mehr hören. Sie sehnen die alten Zeiten herbei, in denen sie umherzogen, um unschuldige Dorfbewohner zu erschrecken und sich an ihrer Furcht zu laben, anstatt ein entbehrungsreiches Dasein voller Disziplin als gewöhnliche Soldaten in den Reihen der Legionen von Lady Apokalypse zu fristen. Natürlich ist es schwierig, diesen Wunsch gegenüber einer Halbgöttin der Untoten zu äußern.

Die Rote Wüste und die Messingnekropolis
Im Herzen der Roten Wüste befinden sich die kolossale Messingnekropolis und der Palast von Lady Apokalypse. Die Rote Wüste ist mit ihren giftigen Oasen und unvorhersehbaren Scherbenstürmen, die ihren Opfern bei lebendigem Leibe das Fleisch von den Knochen fräsen, für sterbliche Wesen unbewohnbar. Für die Untoten ist das trockene Klima jedoch ein Segen, da es ihren Verwesungsprozess verlangsamt und sie mumifiziert.
Die Messingnekropolis dient den Legionen der Untoten als Stützpunkt. Sie ist eine Stadt der Finsternis und des Verderbens, in der wandelnde Leichen versuchen, einem gewissen Alltag nachzugehen, während sie auf neue Befehle der Lady warten. Gelegentlich trifft man dort auch törichte Sterbliche oder Verbündete der Untoten an, die gekommen sind, um Lady Apokalypse die Treue zu schwören. Dazu gehören unter anderem die Po-Kalypse-Läufer, ein fanatischer Ork-Stamm, der glaubt, dass Lady Apokalypse eines Tages alles Leben auf dem Planeten auslöschen wird.
Wäre sie wirklich dazu in der Lage, hätte sie es schon längst getan. Glücklicherweise (oder bedauerlicherweise, je nach Sichtweise) reicht ihre Macht dazu nicht aus. Bis auf weiteres muss sie sich mit Feldzügen gegen sterbliche Rassen zufrieden geben und weiterhin mit Kreaturen am Verhandlungstisch sitzen, die sie gerne in ihren eigenen Reihen sehen würde. Eines Tages wird Malakoth schon wieder unter den Untoten weilen und an ihrer Seite über das Totenreich herrschen.

Hauptmann Talos schritt mit seinem Helm in der Hand durch die dunklen Korridore des Palastes der Herrscherin. Vor der massiven Bronzetür zu ihrem Audienzsaal machte er Halt. Hohes, wutentbranntes Gekreische und das Geräusch zerbrechenden Glases drangen durch die Tür. Zwei wachsame und pflichtbewusste Skelettwachen erschienen, als etwas Schweres im Audienzsaal gegen die Tür prallte. „Lady Apokalypse erwartet mich zu einer Audienz“, sagte Talos und ein breites Grinsen überkam seine mumifizierten Lippen. Eines der Skelette schüttelte den Kopf und hauchte durch seine fauligen Zähne: „Das ist kein guter Zeitpunkt.“ „Wann dann?“, fragte Talos und verzog das Gesicht. „Ich meine, was soll sie tun? Mich töten?“ Die drei Untoten brachen in schallendes Gelächter aus. Die Heiterkeit auf dem Gang ließ das Tobsuchtschaos auf der anderen Seite der Tür verstummen. Der Saal schien plötzlich eine Aura der Böswilligkeit auszustrahlen und ihr Gelächter endete abrupt. „Oh, sie...“, sagte Talos und wurde vom Quietschen der sich öffnenden Tür hinter den Wachen unterbrochen. Die personifizierte Finsternis offenbarte sich. „Trete ein“, hallte die Stimme der Herrscherin. Die Skelettwachen wichen langsam zur Seite, um Talos durchzulassen. „Na dann viel Glück“, murmelte einer von ihnen, als der Hauptmann vorbeiging. Der riesige Saal war nur schwach beleuchtet und das Licht kam von der gegenüberliegenden Seite. Talos schreckte auf, als die Tür hinter ihm zufiel. Er sah niemanden, der sie geschlossen haben könnte. „Komm näher, Talos.“ Er glättete seine ausgefranste Uniform und umschloss nervös den Griff seines Schwertes, als er sich ihrem Thron näherte. Die einzige Lichtquelle im Saal ging von Lady Apokalypse selbst aus. Sie saß auf einem ebenhölzernen Thron, der so geschnitzt war, dass er ineinander verschlungenen Skeletten glich. Die Herrscherin wartete. Talos wunderte sich über ihre außergewöhnliche, ja geradezu unnatürliche Schönheit und starrte in ihre pechschwarzen Augen. Anstatt einer Haarpracht zierte ein grelles Flammenmeer ihr Haupt. Die lodernden Flammen erhellten den Glassarkophag von Malakoth zu ihrer Rechten. Talos musterte ihn ehrfürchtig und fragte sich, was wohl darin von Malakoth zu sehen sei. „Ach, nur noch ein Haufen Staub und Knochen“, dachte er. „Viel ist von ihrem Geliebten ja nicht übrig geblieben.“ Aber das waren nicht die Worte, die man Lady Apokalypse jetzt entgegenbringen sollte... Talos sah sich um. Nichts im Saal deutete auf den Wutanfall hin, den er zuvor gehört hatte. „Was gibt es Neues von der Schlacht um Farrenhall?“, fragte sie argwöhnisch. Talos lächelte angestrengt, verneigte sich ehrerbietig und blickte zu ihr auf. „Lady Apokalypse, das Königreich ist in unseren Händen!“, sagte er und war wie gebannt von ihrem Flammenhaar. „Habt ihr alles Leben in dieser Gegend ausgelöscht?“, fauchte sie gehässig. „Nun ja, wir...“ Diese Haare! „Dort könnten noch einige...“ Bei den Dunklen Göttern, wie konnten ihre Haare aus Feuer sein? „Warum starrst du mich so an?“ „Nichts, meine Lady.“ „Was ist los?“ „Nichts.“ „Was?!“ „Es ist nur...“, erwiderte er und deutete über seinen Kopf. „Feuer... alle anderen von uns haben kein... Feuer. Es beeindruckt mich.“ „Sammelt eure Truppen!“, brüllte sie. „Dringt tiefer in das Land der Sterblichen ein! Löscht sie aus!“ Talos starrte sie immer noch an. „Sofort!“ Der Hauptmann kam wieder zur Besinnung und verneigte sich. „Natürlich, meine Lady!“ Auf halbem Wege zurück zur Tür des Saales blieb er stehen und drehte sich um. Er fuchtelte mit seinen Fingern in seinen Haaren herum und fragte: „Wenn Ihr zu Bett geht, ist das auf Eurem Kopf dann auch noch so...“ „SOFORT!“ Talos nahm die Beine in die Hand und eilte durch die sich öffnende Tür.

